Das 1983 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker gegründete Scharoun Ensemble gehört zu den profiliertesten Kammermusikformationen Deutschlands. Mit einem breit gefächerten Repertoire, das von ausgewählten Kompositionen des musikalischen Barockzeitalters über Kammermusikwerke der Klassik und Romantik bis hin zu zeitgenössischer Musik reicht, begeistert das Scharoun Ensemble seit über einem Vierteljahrhundert ein Publikum in Europa und Übersee. Innovative Programmgestaltung, ausgefeilte Klangkultur und lebendige Interpretationen sind die Markenzeichen des in flexiblen Besetzungen musizierenden Ensembles.
Eine klassische Oktettformation (Klarinette, Fagott, Horn, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass) bildet den ausschließlich aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bestehenden Kern des Scharoun Ensembles. Bei Bedarf arbeitet die Formation mit weiteren Instrumentalisten, aber auch namhaften Dirigenten zusammen. So hat das Scharoun Ensemble verschiedene Programme unter der Leitung von Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim oder Pierre Boulez einstudiert und aufgeführt. Außerdem musizierte es mit Sängerinnen und Sängern wie Thomas Quasthoff, Simon Keenlyside und Barbara Hannigan. Für spartenübergreifende Projekte verpflichtete das Scharoun Ensemble darüber hinaus Künstlerinnen und Künstler wie Fanny Ardant, Loriot oder Dominique Horwitz.
Die Vermittlung zwischen Tradition und Moderne bildet den künstlerischen Schwerpunkt des Scharoun Ensembles. Es hat viele Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts uraufgeführt, widmet sich mit gleicher Leidenschaft aber auch der Interpretation von Werken aus vergangenen Jahrhunderten. Eckpfeiler seines Repertoires bilden so etwa Franz Schuberts Oktett D 803, mit dem sich das Ensemble 1983 erstmals öffentlich vorstellte, oder Ludwig van Beethovens Septett op. 20.
Der Austausch mit Komponisten unserer Tage war dem Scharoun Ensemble seit seinen Anfängen ein besonderes Anliegen. György Ligeti, Hans Werner Henze, Pierre Boulez, György Kurtág oder Wolfgang Rihm haben die Formation auf ihrem künstlerischem Weg ebenso begleitet wie Komponisten der jüngeren Generation, darunter Jörg Widmann und Matthias Pintscher.
In Ergänzung zu einer regen internationalen Konzerttätigkeit engagiert sich das Scharoun Ensemble bei dem 2005 gegründeten und künstlerisch von ihm gestalteten Zermatt-Festival. Hier finden neben hochkarätig besetzten Konzerten jeden Sommer musikalische Workshops statt, die jungen Musikerinnen und Musikern die Chance bieten, mit den Mitgliedern des Scharoun Ensembles zusammenzuarbeiten.
Seinen Namen leitet das Scharoun Ensemble vom Architekten seines Stammhauses ab: Mit der Berliner Philharmonie hat Hans Scharoun (1893-1972) einen weltweit einzigartigen Konzertsaal geschaffen, der eine Synthese zwischen Innovation und Traditionsbewusstsein wagt und neue Wege der künstlerischen Kommunikation eröffnet – Ideale, denen sich auch das Scharoun Ensemble verpflichtet fühlt.
Jürgen Ruck - geboren in Freiburg - studierte als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes in seiner Heimatstadt bei Sonja Prunnbauer und in Basel bei Oscar Ghiglia. 1986 erhielt er den ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb, 1990 den Kranichsteinpreis für die Interpretation Neuer Musik.
Das Repertoire von Jürgen Ruck umfasst Musik vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Er konzertiert in den verschiedensten Kammermusikbesetzungen und trat bei vielen internationalen Festivals auf.
Als Solist spielte er etwa mit dem Berliner Philharmonischen Orchester (in dem er regelmäßig als Gastmusiker mitwirkt), dem Scharoun Ensemble, dem Ensemble InterContemporaine Paris, der London Sinfonietta, Phace| contemporary music Wien und den Rundfunkorchestern des WDR, NDR, SWR, SR, RAI Mailand und ORF Wien. Jürgen Ruck engagiert sich besonders für die zeitgenössische Musik: als Gitarrist des Ensemble Modern sowie in der Zusammenarbeit mit Komponisten wie György Kurtág, Hans Werner Henze, Helmut Lachenmann oder John Adams. Bei der Uraufführung von György Kurtágs "Grabstein für Stephan" 1991 mit den Berliner Philharmonikern unter Zoltan Pesko spielte Ruck den Solopart. Das bedeutende Schaffen Hans Werner Henzes für Gitarre bildet einen besonderen Schwerpunkt seines Repertoires. Henze betraute Ruck mit der Einrichtung und Uraufführung zweier neuer Kompositionen für Gitarrenduo. Die CD-Einspielung dieser Werke, die 1999 bei Dabringhaus & Grimm erschienen ist, erhielt den Schallplattenpreis ECHO KLASSIK 2000 in der Sparte "Solistische Einspielung des Jahres für Musik des 20. Jahrhunderts".
Seit 2003 konzertiert Jürgen Ruck sehr erfolgreich mit seinem Projekt der "Caprichos Goyescos", einem Zyklus von speziell für ihn geschriebenen Solokompositionen, die sich jeweils auf Francisco Goyas berühmte Radierungsfolge der "Caprichos" beziehen. Bislang sind über 40 Stücke von 22 verschiedenen Komponisten entstanden. Eine erste CD-Aufnahme erschien bei Dabringhaus & Grimm.
"Jürgen Ruck ist einer der bemerkenswertesten Guitarristen unserer Zeit. Er besitzt grosse poetische Musikalität, die sich dank seines ungewöhnlichen technischen Könnens anscheinend mühelos in Spiel umsetzt. Ich liebe sehr Rucks Interpretationen meiner Musik." (H.W. Henze)
"Although I have heard many guitarist play my music on both sides of the Atlantic, I must say that Jürgen's interpretations have consistently been the most sensitive and the most musically creative. He has a beautiful sound, a sure rhythmic feel, and he is one of the few guitarist in the world who works in large ensembles without any discomfort or confusion. But it is his career as a soloist that gives us the most cause for optimism. I think Jürgen is one of those special artists who is committed to expanding the repertoire of his instrument and encouraging other composers to write for it." (John Adams)
Jürgen Ruck ist Professor für Gitarre an der Musikhochschule Würzburg.
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